Logo der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Logo des Bereichs Arbeit der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen Logo der IHK Berlin Kopfgrafik - Frauen an die Spitze!

Sie befinden sich hier: Inspiration/Frauenporträts

Unternehmensbesuch bei dan pearlman

Frauenporträts

Hier werden Ihnen erfolgreiche Frauen in Führungspositionen vorgestellt, die eine Vorbildfunktion in diesem Bereich einnehmen. Lassen Sie sich von ihnen inspirieren!

 

Nicole Benthin
Nicole Benthin – Head of Visual Communication
bei dan pearlman Markenarchitektur

“The greatest inspiration is the deadline.”

Name: Nicole Benthin
Geburtsjahr: 1969
Familienstand: verheiratet
Kinderanzahl: 2 Kinder
Dauer der Elternzeit: einmal 1 Jahr und einmal 2 Jahre Elternzeit
Bildung (Studium, Weiterbildung): Bachelor of Arts Marketing Communication
Name des Unternehmens: dan pearlman
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): vielfältige Agenturerfahrung in den Bereichen Werbung und Online (1995-2001), seit 2001 bei dan pearlman
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: strategische Kreativagentur in den Bereichen Markenstrategie, Markenkommunikation, Markenarchitektur und Erlebsnisarchitektur
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 80
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: 80

Seit 2001 arbeitet Nicole Benthin bei dan pearlman. Während dieser Zeit hat sie im Unternehmen verschiedene Karrierestufen bis zur Senior Project Managerin durchlaufen. Nun ist sie seit 2010 Head of Visual Communication und damit verantwortlich für den Bereich der Markenkommunikation. „Die Bereitschaft für mehr Verantwortung und einen erweiterten Aufgabenbereich waren die wichtigsten Impulse bei der Entscheidung für diese Führungsposition“, sagt die Erfolgsfrau.

Den Einstieg in diese neuen Aufgabenfelder hat ihr dan pearlman nicht schwer gemacht: Dadurch, dass hier die Vereinbarkeit von Familie und Karriere einen hohen Stellenwert habe, sei ihr dieser besonders erleichtert worden, erinnert sich Nicole Benthin. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Durch die flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodelle war es ihr möglich, beide Lebensbereiche gut miteinander zu verbinden. Wichtig ist dabei aber in ihren Augen auch immer die Unterstützung der Familie: „Mein Ehemann unterstützt mich sehr, auch wenn er sich ab und an mehr gemeinsame Familienzeit wünschen würde. Ein Au-Pair ist eine große Unterstützung bei der Planung des Tagesablaufs.“

dan pearlman ist als strategische Kreativagentur in den Bereichen Markenstrategie, Markenkommunikation, Markenarchitektur und Erlebnisarchitektur tätig. Derzeit hat das Berliner Unternehmen 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es setzt sich sehr für die Aufstiegsförderung aller Beschäftigten ein. Es gibt Coaching- und Mentoring-Programme, aktuell zu Kommunikation, Englisch und Design Thinking. Benthin fügt hinzu: „Flache Hierarchien und Toleranz ermöglichen faire Karrierechancen für alle.“

Eine wichtige Rolle spielt für die Karrierefrau beim Erreichen einer Führungsposition aber immer auch die eigene Erfahrung und der eigene Wille: „Geholfen haben mir meine langjährige Erfahrung mit den Prozessen und Kollegen bei dan pearlman, sowie meine persönlichen Eigenschaften Flexibilität und Biss.“ Um Chancengleichheit in einem Unternehmen tatsächlich zu erreichen, sieht Benthin besonders die Unternehmensführung in der Pflicht: „Vor allem die Führungsebene muss das Modell leben und in ihre täglichen Ent-scheidungen integrieren.“ Das gilt für sie auch bei der Überwindung von Widerständen. „Auch wenn dies einen höheren Aufwand bei Kosten und Organisation erfordert. Flexibilität ist dabei das oberste Credo“, fügt sie darum hinzu.

Eine Einführung der Frauenquote sieht Nicole Benthin differenziert. Ihrer Meinung nach „sollten Positionen nach Erfahrung und Qualifikation, nicht nach dem jeweiligen Geschlecht vergeben werden.“ Damit mehr Frauen Führungspositionen erreichen können, sieht sie aber durchaus noch Handlungsbedarf bei den gesellschaftlichen Strukturen: „Wenn Firmen es schaffen, bessere Kinderbetreuung und flexible Strukturen- und Arbeitsmodelle innerhalb einer Firma zu schaffen, sind wichtige Grundsteine gelegt.“

Für Frauen, die ebenfalls eine Führungsposition erreichen möchten, empfiehlt Benthin vor allem Durchsetzungsvermögen und sieht die Unterstützung der Familie und eine gut organisierte Kinderbetreuung als elementar an.

Bei dan pearlman herrschen dafür beste Bedingungen. Beim Landeswettbewerb “Unternehmen für Familie – Berlin 2010″ wurde Nicole Benthins Arbeitgeber als familienfreundlichstes Unternehmen ausgezeichnet. Die Mitarbeiter werden bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gezielt unterstützt. Die Angebote reichen von Seminaren zu Führungsqualitäten und Zeitmanagement bis hin zu Home Office und einem flexiblen Wiedereintritt nach der Elternzeit. Häufig werden Sonderlösungen gefunden.

Aber die Geschäftsführung engagiert sich nicht nur für Familienfreundlichkeit, sondern auch im Bereich Diversity Management: „dan pearlman vereint Menschen verschiedener kultureller Hintergründe und geschlechtlicher Orientierung. Besonders ist dabei vor allem die große Altersspanne, die bei uns von 19 bis über 60 Jahre reicht“, würdigt Benthin diese Bemühungen.

Annett Enderle
Annett Enderle – Mitglied der Geschäftsführung
bei der Pfizer Deutschland GmbH

“Jede Frau muss für ihren eigenen Weg herausfinden, was möglich ist. Entscheidend ist: Dinge ausprobieren und nicht von vornherein verwerfen. Das trifft bei Entscheidungen im Job genauso zu wie bei Familienfragen.”

Name: Annett Enderle
Geburtsjahr: 1971
Familienstand: verheiratet
Kinderanzahl: 1 Kind
Dauer der Elternzeit: 4 Monate, nach 8 Wochen 10 Stunden pro Woche
Bildung (Studium, Weiterbildung): Volljuristin
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): seit 2001 bei Pfizer, seit 2002 Führungsposition, seit 2009 Mitglied der Geschäftsführung
Name des Unternehmens: Pfizer Deutschland GmbH
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: Pharmazeutische Industrie; welt-weit führendes forschendes Pharmaunternehmen, Erforschung, Entwicklung und Vetrieb innovativer Medikamente (rezeptpflichtige sowie rezeptfreie Medikamente)
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: rund 90.000
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: 550 plus 650 im Außendienst

Annett Enderle arbeitet seit 2001 bei der Pfizer Deutschland GmbH. Bereits ein Jahr später bekleidete sie dort ihre erste Führungsposition und ist seit 2009 Mitglied der Geschäftsführung. Damals war sie mit 38 Jahren jüngstes Mitglied. Ihre Hauptmotivation bei diesem Werdegang waren „persönliche Weiterentwicklung, breiterer Gestaltungsspielraum, mehr Internationalität und ein interkulturelles Team“, erzählt sie.

Pfizer hat sie dabei immer unterstützt: „Mein Vorgesetzter hat mich gefördert, weiterentwickelt (vor allem durch Job Rotation und internationale Projekte), mir viel Freiraum für flexible Arbeitsgestaltung gegeben und Vertrauen entgegengebracht.“ Diese Flexibili-tät ihres Arbeitgebers ist für Enderles Arbeitsalltag besonders wichtig. „Meine Arbeitszeit variiert nach den Anforderungen des Geschäfts. Der Umfang ist für mich angemessen und gut zu handhaben, wenn ich Zeit und Ort flexibel gestalten kann“, erklärt sie. Allerdings legt sie auch Wert auf einen Ausgleich im Alltag: „Freizeit und Arbeit müssen richtig aufeinander abgestimmt sein, man muss Prioritäten setzen. Wochenenden, Feiertage, Urlaub gehören grundsätzlich meiner Familie.“ Von dieser erhält sie auch viel Unterstützung – ohne die ihrer Meinung nach die Arbeit in einer solchen Führungsposition nicht möglich ist. „Man muss sich sehr gut organisieren und absprechen“, erklärt sie.

Mit insgesamt 90.000 Beschäftigten ist Pfizer ein großes Unternehmen. 550 der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Berlin. Hinzu kommen 650 Beschäftigte im Außendienst. Das weltweit führende Pharmaunternehmen erforscht, entwickelt und vertreibt rezeptpflichtige und rezeptfreie Medikamente. Bei der Förderung seiner Mitarbeiter beschränkt sich das Unternehmen nicht nur auf Frauen. Allen Mitarbeitern werden die Angebote gleichermaßen zuteil. Dazu gehören die individuelle Talententwicklung, Mentoringprogramme, Fortbildungsmöglichkeiten, ein Programm zur Förderung von Frauen in Führungspositionen sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

In dem Programm FATE (Female Aspiring Talent in Europe) werden ganz gezielt Frauen „bei der Karriereentwicklung, beispielsweise zur Sichtbarkeit im Unternehmen, Networking, Mentoring, Work-Life-Balance“ gefördert, erklärt Enderle. Zudem werden auch die Mitarbeiter selbst aktiv: Im Bereich Diversity Management sind sie in einer Mitarbeitergruppe zu Diversity, Inclusion und Fair Play aktiv. Außerdem ist Pfizer Unterzeichner der Charta der Vielfalt e.V., nimmt an vielen Aktionstagen teil, ist Träger des Zertifikats audit „Beruf und Familie“ und bietet interne Awarenessprogramme an.

Für Annett Enderle ist für das Erreichen von Chancengleichheit eine offene Unternehmenskultur wichtig, aber auch „Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter stärken, Führungskräfte sensibilisieren, Abbau von Vorurteilen, Sichtbarkeit des Themas innerhalb des Unternehmens, Unterstützungsangebote und flexible Rahmenbedingungen zu Arbeitszei-ten und Kinderbetreuung“ sind ihrer Meinung nach elementar. Doch persönliche Eigenschaften sind genauso wichtig, um sich weiterentwickeln zu können. Für Annett Enderle waren „klar kommunizieren, im Job präsent sein, hohes Engagement zeigen, Initiative übernehmen und Dinge voran treiben“ die entscheidenden Merkmale.

Zum Thema „Frauenquote“ sagt sie: „Es ist wichtig, dass sich Unternehmen ehrgeizige Ziele setzen. Die Ziele müssen aber in Bezug zu den spezifischen Herausforderungen und der Unternehmenskultur stehen. Nicht: ‚One Size fits all.’“ In der Gesellschaft selbst sieht sie die Stärkung der Gleichbehandlung in der Gesellschaft im Fokus. „Teilweise erschweren das soziale Umfeld, Vorbehalte und Vorurteile den Weg in die Führung, es mangelt nicht am Willen beziehungsweise an Engagement.“

Frauen, die ebenfalls in eine Führungsposition möchten sollten sich „über eigene Ziele und Prioritäten im Leben klar werden, diese klar mit Vorgesetzten besprechen und Flexi-bilität und Offenheit mitbringen“, rät Enderle.

Marcia Behrens
Marcia Behrens – Leiterin des Standortes
bei FAPACK

Name: Marcia Behrens
Geburtsjahr: 1984
Familienstand: verheiratet
Kinderanzahl: keine Kinder
Bildung (Studium, Weiterbildung): Studium Internationale BWL
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): seit 2006 Leiterin Kartonagenproduktion, seit 2009 Prokuristin, seit 2010 Leiterin des Standortes
Name des Unternehmens: FAPACK
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: Produktion von Verpackungen aus Voll- und Wellpappe sowie EPS und Feinkartonagenmanufaktur
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 50
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: 50

Seit Anfang 2010 arbeitet Marcia Behrens als Standortleiterin bei FAPACK. Auf ihrem Weg dorthin übernahm sie zunächst die Leitung der Kartonagenproduktion, ist seit 2009 Prokuristin und führt seit 2010 den gesamten Standort. Ihre Hauptmotivation war vor allem die Gelegenheit „Verantwortung zu übernehmen, aktiv mitgestalten zu können und Erfolge vorzuweisen“.

Das Familienunternehmen FAPACK ist in Berlin der größte Hersteller von Verpackungen und technischen Teilen mit aktuell 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unterstützt fühlte sich Marcia Behrens beim Erreichen ihrer Position besonders durch „viele Fortbildungen und Vertrauen“, aber auch durch ein „gesundes Maß an Fördern und Fordern“, berichtet sie. Durch „gezielte Gespräche und Fortbildungsangebote“ werden hier aber alle Mitarbeiter unterstützt, berichtet sie.

Marcia Behrens arbeitet etwa 50 Stunden in der Woche, die sie für ihre Position durchaus angemessen findet. Mit ihrem Privatleben ist diese Arbeitszeit gut zu vereinbaren. Wichtig ist ihr dabei vor allem die Unterstützung ihres Partners in Form von vielen Gesprächen und moralischer Unterstützung.

Für das Erreichen ihrer Führungsposition sieht die Karrierefrau aber auch ihre eigenen Eigenschaften wie „schnell Entscheidungen treffen können, kommunikativ sein und eine gute Ausbildung“ als elementar an. Zur Realisierung von Chancengleichheit spielt aber aus Behrens’ Sicht auch die Haltung der Führungsebene eine wichtige Rolle: „Die Geschäftsleitung muss die richtige Einstellung haben und diese auch kommunizieren. Frauen können alles!“. Sie selbst handelt konsequent nach dieser Maxime: „Als Spitze eines In-dustriebetriebes unterstütze ich Frauen gerade bei der Ausbildung in technischen Berufen. Frauen und Männer sollten sich von alten Denkmustern und Rollenbildern lösen – nur dann wird echte Gleichberechtigung lebendig.“

Mittlerweile ist die Standortleiterin für eine Frauenquote: „Ich hatte gehofft, dass es ohne Quote geht, aber es wird sich wahrscheinlich ohne nicht ‚bewegen’…“, beobachtet sie die derzeitige Situation. Doch sie weiß auch, welche gesellschaftlichen Veränderungen notwendig sind. „Es muss in den Köpfen der Verantwortlichen – zum großen Teil noch Männern – ein Umdenken stattfinden.“

Frauen, die gern eine Führungsposition erreichen möchten, rät Marcia Behrens Durchhaltevermögen, sehr gute Bildung und die Nutzung von Netzwerken, in denen sowohl Männer als auch Frauen aktiv sind.

Bei FAPACK fühlte Behrens sich immer unterstützt. Für alle Mitarbeiter gibt es Angebote von Teil- oder Gleitzeit. Frauen können spezielle Fortbildungsangebote in Anspruch nehmen – z.B. für ein besseres Durchsetzungsvermögen gegenüber Männern. Im Bereich Di-versity engagiert sich das Unternehmen ebenfalls durch „gezielte Personalauswahl – das Unternehmen soll mittelfristig die Berliner Bevölkerung widerspiegeln“, stellt die Standortleiterin in Aussicht.

Karen Schmied
Karen Schmied – Programmchefin
beim rbb RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG – Radio Fritz

„Frauen sind Meister im Organisieren. Mütter bringen es bis zur Perfektion.“

Name: Karen Schmied
Geburtsjahr: 1976
Familienstand: verheiratet
Kinderanzahl: 2 Kinder (Zwillinge)
Dauer der Elternzeit: 1 Jahr
Bildung (Studium, Weiterbildung): Studium Medienmanagement, diverse und stetige Weiterbildungen
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): ENERGY Berlin, SWR DASDING Baden-Baden, WDR 1LIVE Köln, Radio Fritz (Führungsposition seit Juli 2012)
Name des Unternehmens: rbb RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG – Radio Fritz
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Radio, junges multimediales Programm
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: rbb: 1.900 plus ca. 1.400 Freie Mitarbeiter, Radio Fritz: 120 Mitarbeiter
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: Radio Fritz sitzt im Potsdamer Haus des rbb

Im Juli 2012 ist Karen Schmied Programmchefin bei Radio Fritz vom rbb geworden. Ihre Hauptmotivation bei der Entscheidung für diese Führungsposition: „Die Liebe zum Fritz-Programm und dass ich mit der Zeit (fast) alles beim Radio gemacht hatte (Redaktion, Moderation, bereichsübergreifende Projekte). Dazu habe ich ein großes Interesse an der Medienpolitik. Kurzum, ich wollte mehr Verantwortung.“ Der rbb hat sie bei der Verwirklichung dieses Wunsches intensiv unterstützt. „Durch ein Programm für Nachwuchskräfte wurde ich zwei Jahre geschult und auf Führungsaufgaben vorbereitet. Dazu hat der rbb mir direkt im Anschluss an die Elternzeit die jetzige Funktion übertragen“, erzählt Schmied.

Seitdem arbeitet sie etwa 45 Stunden in der Woche – oder mehr, je nachdem, welche Aufgaben anstehen. „Für die Arbeit als Programmchefin ist das unerlässlich“, findet sie. Unter der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben versteht die Mutter von Zwillingen vor allem die Vereinbarkeit von Kindern und einem Vollzeit-Job. „Dies ist möglich durch vorhandene Firmen-Belegplätze in einer guten Kita, die Hilfe meines Mannes und der Mütter/Omas sowie durch ein dienstliches Smartphone und ein Tablet“, erzählt sie. Der rbb tut einiges für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Neben den Belegplätzen in der Kita und einer Kinderbetreuung während der Sommerferien gibt es „die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten – auch für Führungskräfte.“ Gleichzeitig gebe es zu dem Nach-wuchsführungskräfteprogramm regelmäßig interne und externe Fortbildungsmöglichkei-ten. Der rbb bietet außerdem gezielte Maßnahmen zur Aufstiegsförderung an. „Im rbb gibt es zudem die Möglichkeit zu Perspektivwechseln in andere Bereiche des Hauses“, fügt Schmied hinzu.

Für die Verbesserung der Chancengleichheit in Unternehmen steht für die Programmchefin die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Fokus: „Teilzeitangebote auch für Führungskräfte, Homeoffice ermöglichen, Angebote für eine gute Kinderbetreuung machen und die Selbstverständlichkeit von Elternzeiten“ sind ihr besonders wichtig – mit einem Zusatz: „Das alles sowohl für Mütter als auch Väter.“

Der rbb engagiert sich auch aktiv im Bereich Diversity Management. Die insgesamt über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren von „einer sehr offenen Personalpolitik in Hinblick auf multikulturelle, religiöse, familiäre und weitere Hintergründe der Beschäftigten“, berichtet Schmied. „Das Thema Diversity ist ein Dauerthema im rbb und wird regelmäßig weiterentwickelt.“

Mittlerweile ist die Programmchefin für eine Frauenquote. „Seit Jahren wird geredet und gefordert, es gibt aber kaum Veränderungen. Die Quote sollte für eine Startphase helfen, um andere Wege bemerkbar zu machen und die Scheu vor unbetrampelten Pfaden abzubauen“, führt sie aus. „Es geht selbstverständlich nicht darum, Frauen mit allen Mitteln in Führungspositionen zu setzen, Qualifikation ist eine Grundvoraussetzung“, fügt Schmied hinzu. Veränderungen in der Gesellschaft sieht sie bereits, denn „immer mehr Männer gehen in die Elternzeit und ich kenne immer mehr Frauen, die den größeren Teil des Einkommens nach Hause bringen.“ Doch sie sieht auch noch Lernpotential bei jedem Einzelnen: „Oft ist immer noch unklar, wer zu Hause bleibt, wenn das Kind krank ist, wer nachts aufsteht, wer nicht zur Dienstreise fahren kann oder wer die längere Elternzeit nimmt. Das müssen wir wahrscheinlich alle noch lernen.“ Schmied gibt auch zu: „Die Zeit für mich selbst kommt zu kurz – der Tag hat nur 24 Stunden.“

Frauen, die eine Führungsposition anstreben, empfiehlt Schmied, sich nicht mehr zu fragen, was ihnen für diese Position fehlt, sondern sich zu überlegen, was sie dafür mitbringen. Außerdem sollten sie diesen Weg selbst aktiv angehen: „Niemand wird ‚einfach so’ mal fragen, ob man gerne möchte.“ Zusätzlich empfiehlt sie Netzwerkaufbau und –pflege: „Eins für den fachlichen Austausch und eins für die Karriere.“

Bild: rbb/Jenny Sieboldt

Margit Stefaniack
Margit Stefaniack – Leiterin der Geschäftseinheit Organisation und IT
bei der Berliner Stadtreinigung

„Eine gute Mischung macht’s. Teams, in denen Männer und Frauen gleichermaßen vertreten sind, können richtig viel bewegen. Das gilt für Arbeits- wie für Führungsteams.”

Name: Margit Stefaniack
Geburtsjahr: 1967
Familienstand: verheiratet
Kinderanzahl: 1 Kind
Dauer der Elternzeit: 6 Monate
Bildung (Studium, Weiterbildung): Universitätsstudium in Angewandter Informatik
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): 3 Jahre Großrechnersystemver-waltung, 19 Jahre Abteilungsleiterin in der Informationstechnologie, seit Juli 2014 Leiterin der Geschäftseinheit Organisation und IT
Name des Unternehmens: Berliner Stadtreinigung
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: Dienstleistung, Stadtreinigung, kommunales Unternehmen, Aufgaben: Sichere und ökologische Entsorgung, ein sauberes Straßenbild und besonders im Winter auch Verkehrssicherheit
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: ca. 5.300
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: ca. 5.300

Bereits seit 1995 ist Margit Stefaniack Führungskraft in der Informationstechnologie bei der Berliner Stadtreinigung (BSR). Nachdem sie vorher in der Großrechnerverwaltung tätig war, wollte sie die Gelegenheit nutzen, um „selbst gestalten zu können und Verantwortung zu tragen“, sagt sie. Diesen Weg verfolgt sie konsequent.

Durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen und „viele Möglichkeiten, das Erlernte anzuwenden“ sowie „Unterstützung bei der persönlichen Entwicklung“ stand ihr Arbeitgeber dabei immer an ihrer Seite und hat ihr so den Einstieg in die neue Position erleichtert. Bei Margit Stefaniacks 45/50-Stunden-Woche ist aber auch die Unterstützung der Familie entscheidend. Ihr Partner ist für die Betreuung des Sohnes zuständig und die Hausarbeit wird geteilt. Zudem erfährt sie „viel Verständnis für längere Arbeitstage“.

Die BSR hat unterschiedlichste Angebote, um die Mitarbeiterinnen gesondert zu unterstützen. So werden spezielle Seminare für Frauen angeboten, es gibt flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Für Eltern mit Kindern gibt es Angebote zur Unterstützung bei der Kinderbetreuung und ein Eltern-Kind-Zimmer. Wer sich für Führungspositionen interessiert, kann ebenfalls auf diverse Angebote zurückgreifen: „Mentoringprogramme, Mitarbeiterpotenzialanalysen, Nachwuchsförderung, Qualifizierungsan-gebote speziell für Führungskräfte“ stehen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung, berichtet Stefaniack.

Der BSR liegt aber auch ihr Engagement im Bereich Diversity Management am Herzen. Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt, einer Dienstvereinbarung zum partnerschaftlichen Umgang, dem Bündnis gegen Homophobie und vielen weiteren Maßnahmen ist die BSR hier sehr aktiv.

Als wichtigstes Instrument eines Unternehmens, um Chancengleichheit herzustellen oder sie zu verbessern sieht Stefaniack vor allem Qualifizierungsangebote und Stellenausschreibungen, die Frauen gezielt ansprechen. Die Frauenquote hält sie in diesem Zusammenhang für nützlich: „Bei gleicher fachlicher Qualifikation sollten Frauen Chancen erhalten“, sagt sie.

In der Gesellschaft müsse sich ihrer Meinung nach besonders etwas im Bereich des Elternverständnisses verändern. Wichtig sind ihr „Anerkennung der Väterrolle, Väter in Elternzeit, weg von geschlechterspezifischen Rollenbildern, Erziehung und berufliche Orientierung der Mädchen, weg von geschlechterspezifischen Berufen“. Die BSR ist bereits auf einem guten Weg, diese notwendigen Veränderungen zu implementieren.

Doch auch die Frauen selbst können aus Sicht der Führungsfrau viel tun, um aufzusteigen. Die entscheidenden Punkte sind für sie: „Mut, sich zu bewerben, Selbstvertrauen und die Selbstverständlichkeit, sich mit Männern auf Augenhöhe zu begegnen“.

Margit Stefaniack
Janice Kwiatkowski – Leiterin der Abteilung ‘Technische Beratung und Support’ bei der Projektron GmbH

“Flexibilität und kreative Ideen ermöglichen neue Wege, um Beruf- und Privatleben in Einklang zu bringen.”

Name: Janice Kwiatkowski
Geburtsjahr: 1983
Familienstand: ledig
Kinderanzahl: 1 Kind
Bildung (Studium, Weiterbildung):Internationale Medieninformatik
Berufliche Stationen (Seit wann in Führungsposition?): seit 2007 bei der Projektron GmbH, seit 2009 Leiterin der Abteilung ‚Technische Beratung und Support‘
Name des Unternehmens: Projektron GmbH
Branche und kurze Beschreibung des Unternehmens: Die Projektron GmbH entwickelt und vertreibt die webbasierte Projektmanagement-Software Projektron BCS, mit der Projekte vorbereitet, geplant, durchgeführt, ausgewertet und abgerechnet werden können.
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 83
Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin: 77

Seit 2007 arbeitet Janice Kwiatkowski bei Projektron. Bereits zwei Jahre später hatte sie die Gelegenheit, Leiterin der Abteilung ‚Technische Beratung und Support’ zu werden. „Mehr Verantwortung und die Möglichkeit, die Prozesse selbst mitzugestalten“ haben sie motiviert, die Position anzunehmen.

Dass die Erfolgsfrau in ihrer leitenden Funktion ein Kind bekam und damit einen zweiten großen Verantwortungsbereich in ihrem Leben, änderte nichts am Vertrauen ihres Arbeitgebers in ihre Leistungen. Nach der Elternzeit übernahm sie die Stelle in Teilzeit. Die Vertretungsregelung aus der Elternzeit blieb bestehen, falls sie kurzfristig – zum Beispiel wegen Krankheit des Kindes – nicht verfügbar sein kann. Kwiatkowski leitet die Abteilung mit 25 Stunden in der Woche. „Für wichtige Prozesse habe ich nachmittags einen Vertreter, der ebenfalls bei Fragen einspringt und in Abstimmung mit mir Entscheidungen treffen kann“, erklärt sie.

Projektron engagiert sich stark bei den Themen Chancengleichheit, Familienfreundlichkeit und der Balance zwischen Arbeit und Freizeit. Aus diesem Grund ist es für die Geschäftsführer selbstverständlich, dass auch die Führungskräfte in Teilzeit arbeiten können. Dadurch verbleiben wertvolle Mitarbeiter im Unternehmen und Ausfallzeiten, wie Elternzeit, werden reduziert. „Durch die Möglichkeit, die Abteilung in Teilzeit zu leiten und flexible, spontane Home-Office-Tage zu machen, schaffe ich es, meinem Arbeits- und Privatleben gleichermaßen gerecht zu werden“, berichtet Kwiatkowski von ihren Erfahrungen. Wichtig ist für sie aber auch ihre Familie: „Die Unterstützung durch meine Eltern ist ganz entscheidend und ermöglicht es mir, auch spontan länger zu arbeiten, wenn dies notwendig ist.“ Und die Abteilungsleiterin fühlt sich wohl mit der Verantwortung, die sie trägt – das liegt vor allem an ihren Chefs: „Mein Arbeitgeber unterstützt mich in meiner Entwicklung und hatte vollstes Vertrauen, dass ich meine Aufgaben auch nach Geburt des Kindes in Teilzeit erfolgreich schaffen werde.“ Zudem fördert das Unternehmen seine Mitarbeiter beim Aufstieg ganz gezielt, wie Kwiatkowski berichtet: „Wir haben für jede Stelle Entwicklungspfade entworfen und bieten den Mitarbeitern dazu passende interne und externe Weiterbildungen an. Persönliche Interessen werden ebenfalls berücksichtigt.“

Für die Frauenförderung und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet Projektron Home Office, flexible Arbeitszeiten und Teilzeit ebenso an wie individuelle Elternzeit, Kita-Zuschuss, familienfreundliche Besprechungszeiten und Lohnfortzahlungen bei Erkrankung des Kindes. Die entsprechenden Instrumente stehen allen Mitarbeitern zur Verfügung – nicht nur denen mit Kindern. Denn dem Unternehmen ist das Diversity-Management sehr wichtig. Es wird gefördert durch „faires, verantwortungsvolles Handeln, also Gleichberechtigung und Wertschätzung sowie durch gezielte Maßnahmen für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und Chancengleichheit auf allen Ebenen“, so Kwiatkowski.

Für die Leiterin der Abteilung „Technische Beratung und Support“ ist es für die Verankerung der Chancengleichheit im Unternehmen entscheidend, diese auch vorzuleben. „Die Gleichstellung von Männern und Frauen ist fest in unseren Unternehmenswerten verankert. Das kommunizieren wir nach innen und außen.“ Aber auch der einzelne Mitarbeiter mit seinen Bedürfnissen dürfe nicht vergessen werden: „Ein offenes Ohr für unsere Mitarbeiter und Maßnahmen, die auf den Bedarf der Mitarbeiter zugeschnitten sind“ hält sie für ebenso wichtig. Aber auch die Frauen selbst sollten einige Eigenschaften für das Erreichen einer Führungsposition mitbringen. Kwiatkowski rät ihnen zu „Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Leistungen, Durchsetzungsvermögen und Aufbau eines Netzwerkes.“

Für das Unternehmen ist allein die Qualifikation der Bewerbenden bei der Einstellung von Personal ausschlaggebend. Die vorhandenen Arbeitszeitmodelle unterstützen gleichermaßen Frauen und Männer bei der Work-Life-Balance. Das hilft, Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und neue Fachkräfte zu gewinnen.

Mit über 45 % ist der Frauenanteil bei Projektron für IT-Unternehmen überdurchschnittlich hoch. Um in der gesamten Wirtschaft mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sei ein Gesellschaftswandel notwendig, meint Kwiatkowski.